Meine Vulnerabilität, deine Resilienz – unsere Verantwortung?
16. bis 17. April 2027 | Die neue Konsumzentrale Leipzig
Worum geht es?
Diskurse um Vulnerabilität und Resilienz bestimmen den Zeitgeist. Die Spätmoderne bringt Verletzlichkeiten hervor, die neue Schutzmechanismen und Resilienzen erfordern.
In der Arbeitswelt verschränken sich Vulnerabilitäten und Widerstandskräfte: von Professionellen, die trauma- und diskriminierungssensibel arbeiten, über Führungskräfte, die achtsam und resilienzfördernd führen, und Teams, die transformationserschöpft um die Erfüllung ihrer Aufgaben ringen, bis hin zu Unternehmen, die finanzierbare Überlebensstrategien suchen, und Institutionen, die auf die Verletzlichkeit der Demokratie politische Antworten finden müssen.
Vulnerabilität muss auch verhandelt werden, weil sich Ansprüche und Zumutbarkeitsgrenzen verschoben haben. Die Suche nach einer gesunden Work-Life-Balance, Diskussionen um Selbstfürsorge und Achtsamkeit, die Zunahme von Teilzeitarbeit und Forderungen nach der 4-Tage-Woche werfen die Frage auf: Inwieweit sind selbstbestimmte wie institutionalisierte Formen der Fürsorge sinnvoll und legitim – und wann wird die Grenze angesichts einer gemeinsamen Verantwortung überschritten (Absentismus, innere Kündigung, „Social Loafing“)? Aspekte von Fairness, Kollegialität, Vertrauen, Solidarität und des psychologischen Vertrags können durch Disbalancen strapaziert werden. Meine Vulnerabilität steht deiner mitunter entgegen …
Maßnahmen zur Stärkung individueller und organisationaler Resilienz (Beratung, Betriebssport, Einsatz von KI …) begegnen Vulnerabilität mit Robustheit und Widerstandskraft. In übertriebenem Maße können sie aber auch ein verkapptes Mittel der Selbstausbeutung sein und zu dauerhafter Überforderung führen, weil wachsender Leistungsdruck die Grenzen einer gesunden Leistungsfähigkeit überschreitet. Hier schließt sich der Kreis zur Vulnerabilität …
Im Grunde stellt sich die Frage, wie die Risikolast zwischen Vulnerabilität und Resilienz in der modernen Gesellschaft gerecht verteilt wird. Beide sichern die Handlungsfähigkeit und -freiheit – beide können sie aber auch einschränken.
Meine Vulnerabilität, deine Resilienz – unsere Verantwortung? Das ist die Frage, der die Tagung nachgehen möchte. Die Phänomene selbst und die Diskurse darüber sollen kritisch in den Blick genommen werden – um schließlich Antworten zu finden, wie dies die Beratungspraxis als Reflexionsraum tangiert und worin die besondere Verantwortung von Supervisor:innen und Coaches besteht.
Programm
Zwei Tage mit Vorträgen, parallelen Workshops und gemeinsamer Reflexion.
Vorträge
xxxx
Die vulnerable Gesellschaft
In ihrem Vortrag befasst sich Rostalski mit der Verletzlichkeit als anthropologische Kategorie. Aus juristischer Perspektive führt eine in der Gesellschaft wachsende Verletzlichkeit zu individuellen Freiheitsverlusten. Rostalski macht auf diesen Zusammenhang aufmerksam und wirbt in der öffentlichen Diskussion für mehr Resilienz.
Was sagt die Resilienzforschung?
<<< Beschreibungstext hier einsetzen >>>
Organisationen in unsicheren Zeiten
Organisationen werden derzeit durch eine Vielzahl exogener Faktoren in ihrem Handeln beeinflusst. Kriegerische Auseinandersetzungen, regulatorische Neuerungen, Wirtschaftskrisen, politische Veränderungen, pandemische Lagen, klimatische Veränderungen und gesellschaftliche Wandlungsprozesse stellen Organisationen immer wieder vor Herausforderungen. Neben den direkten Auswirkungen (z. B. Lieferengpässe, aufwendigere Aufgabenbearbeitung, steigende Arbeitslast, Finanzierungslücken) ergeben sich auch Auseinandersetzungen über die Deutung dieser gesellschaftlichen Kontroversen, die für Beschäftigte eine zusätzliche Belastung darstellen können und bestehende Vulnerabilitäten verstärken. Dabei stellt sich die Frage, wie Organisationen diesen Herausforderungen durch Präventions- und Interventionsansätze begegnen können, um Resilienz auf individueller und organisationaler Ebene zu fördern.
Workshops
Fünf parallele Workshops.
Traumakompetenz in der Supervision
Wir alle kennen solche oder ähnliche Situationen: Die Supervisandin, die heftige emotionale oder körperliche Reaktionen auf scheinbar kleine Auslöser zeigt, das Team mit schwer erklärbaren Spaltungsdynamiken, die Mitarbeitenden, die nur zynisch kommunizieren … Nicht selten begegnen uns im supervisorischen Prozess Dynamiken, die tief in traumatischen Erfahrungen einzelner Supervisand*innen, ganzer Teams oder auch deren Klient*innen verwurzelt sind. Sie erfordern von uns Traumawissen und Traumakompetenz. Der Workshop vermittelt Supervisor*innen Grundlagen der Psychotraumatologie sowie Informationen zu traumabedingten Dynamiken in Supervisionsprozessen und schärft den Blick für das Erkennen von zugrundeliegenden Traumatisierungen. Gemeinsam gehen wir den Fragen nach, was mögliche Hinweise für akute oder aktualisierte Traumadynamiken sind und wie sich diese einordnen lassen, wie traumasensible Prozesse gestaltet werden können und welche Grenzen es dabei zu beachten gibt. So können Sie Ihre Traumakompetenz erweitern, die Sicherheit im eigenen Handeln steigern und damit haltgebend betroffenen Supervisand*innen und Teams begegnen.
Die Verletzlichkeit der Supervisor*innen
In der Supervision treffen verletzliche Professionelle, die mit verletzlichen Klient*innen arbeiten, auf verletzliche Supervisor*innen. Das Balancieren der Trias von Vulnerabilität, Resilienz und Verantwortung stellt auch für Supervisor*innen eine Herausforderung dar. Selbst bei solider Resilienz sind wir auf Kooperationsbeiträge unserer Klient*innen und Auftraggeber*innen angewiesen, die unsere Vulnerabilität respektieren und schützen. Andernfalls drohen wir allein auf stürmischer See unterzugehen. Tatsächlich kann der verletzte Selbstwert von Supervisor*innen zum Ausgangspunkt diverser Komplikationen werden. Der Workshop beforscht die Frage, welchen Umgang Supervisor*innen mit der eigenen Verletzlichkeit finden können.
Teamdynamiken zwischen Vulnerabilität und Resilienz – Gerechtigkeit im Führungscoaching
„Jede*r muss tun, was er*sie soll, und zwar so gut er*sie kann“ – so beschreibt das Bundesarbeitsgericht den Anspruch, kollektive Verantwortung und individuelle Vulnerabilität auszubalancieren. Die Frage, ob unterschiedliches Engagement für das Team als Ausdruck geringerer Leistungsfähigkeit oder mangelnder Leistungsbereitschaft zu deuten ist, löst aber häufig latente Konflikte oder manifeste Auseinandersetzungen im Team aus: Kann die Kollegin nicht oder will sie nicht? Ist sie wirklich krank oder ruht sie sich auf Kosten der anderen aus? Bis zu welcher Grenze muss ich meine eigene Resilienz mobilisieren, um das Team zu unterstützen – und ab wann schalte ich auch einen Gang zurück? Diese Teamdynamiken stellen auch für Führungskräfte ein großes Sorgethema dar, denn sie sollen einerseits die vulnerablen Mitarbeitenden schützen, andererseits (auch im Rahmen der Führungsfürsorge für die resilienteren Mitarbeiter*innen) für eine gerechte Arbeitsverteilung sorgen und bei alldem noch die Erreichung der Teamziele sicherstellen. Im Workshop erarbeiten wir ein Instrumentarium, mit dem wir Führungskräfte im Coaching in Bezug auf diese Fragestellung unterstützen können.
Gesunde Organisationen, gesunde Mitarbeitende
Dieser Workshop lädt dazu ein, Gesundheit als gemeinsames Gestaltungsfeld von Organisation, Führungspersonen und Mitarbeitenden zu reflektieren. Ein einführender Impuls beleuchtet zentrale Perspektiven: gesunde Führung, betriebliches Gesundheitsmanagement sowie individuelles Grenzmanagement im Arbeitsalltag. Anschließend soll es darum gehen, diese und weitere Sichtweisen interaktiv erfahrbar sowie Ambiguitäten, Widersprüche und Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen. Spielerisch dürfen Perspektiven gewechselt und gemeinsam reflektiert werden. Dabei erkunden wir, was dies für die Begleitung von Teams, Führungskräften und Organisationen im Spannungsfeld von Gesundheit, Belastung, Engagement und Verantwortung bedeuten kann.
Gesundheit von Führungskräften – eine unterschätzte Perspektive
Führungskräfte spielen eine zentrale Rolle bei der Erfüllung organisationaler Ziele, sind verantwortlich für die Arbeitssicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeitenden und nehmen eine Vorbildfunktion für ihr Team ein. Trotz dieser enormen Bedeutung hat sich die bisherige Führungsforschung überwiegend darauf fokussiert, die Wirkung des Führungsverhaltens auf die Gesundheit von Beschäftigten zu untersuchen. Implizite Annahmen über Führungskräfte verzerren die Wahrnehmung und führen dazu, dass diese als besonders resilient wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite zeigen Umfragen, dass mindestens ein Fünftel der Führungskräfte glauben, den Ansprüchen an ihre Führungsposition nicht gerecht werden zu können. Im Rahmen des Workshops soll der Frage nachgegangen werden, wie Führungskräfte adäquat in ihrer Rolle als Führungskraft und somit auch in ihrer Gesundheit gestärkt werden können.
Beraterische Verantwortung – was sagen Sie dazu?
In der Form des Social Dreaming wollen wir uns der Frage nach der beraterischen Verantwortung nähern. Verantworten heißt, „die Folgen für etwas tragen, für etwas einstehen“ oder auch „sich gegen einen Vorwurf verteidigen“ (Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) – wie kann verantwortliches, beraterisches Handeln aussehen angesichts der Trias von Vulnerabilität, Resilienz und Verantwortung? Die Freie Assoziation soll uns einem vorläufigen Fazit näherbringen, indem wir individuelle, organisationale und gesellschaftliche Dimensionen des Themenfeldes gemeinsam in eine Traummatrix weben.
Gastgeber:innen: Alice Gayed & Franz Hammer · Seminar- und Weiterbildungsleitung BASTA e.V.
Rahmen der Tagung
Freitag, 16. April 2027,
10.00 – 18.30 Uhr
Samstag, 17. April 2027,
9.00 – 13.30 Uhr
Die neue Konsumzentrale Leipzig
für Supervisor:innen, Coaches, Therapeut:innen, Sozialarbeiter:innen, Sozialpädagog:innen, Trainer:innen
350,00 EUR Frühbucherpreis bis 31.12.2026 | ab 01.01.2027: 400,00 EUR Teilnahmegebühr | Meet & Eat: 36,00 EUR
Ansprechpartnerin
Alice Gayed
E-Mail: info@basta-ev.de
Fon: 01577 2410655

